MÉTAMORPHOSE EINER BRONZESKULPTUR
Von der Modellierung in Ton zur Bronzeskulptur
Alles beginnt im Atelier mit Ton. Alain Choisnet modelliert seine Werke mit dem Anspruch auf Schlichtheit und Natürlichkeit. Jede Skulptur entsteht im Dialog mit dem Betrachter und ist von Anfang an dafür bestimmt, in Bronze gegossen zu werden.
Wenn das Werk vollendet ist, wird es einer Kunstgießerei anvertraut. Dann beginnt die Verwandlung der Skulptur. Verschiedene spezialisierte Fachleute arbeiten nacheinander daran, das Modell in seine endgültige Form zu überführen. Der Künstler kann in verschiedenen Phasen eingreifen, um die ursprüngliche Intention und das angestrebte Qualitätsniveau zu bewahren.
Vom Wachs zum Metall: das Wachsausschmelzverfahren
Das seit Jahrtausenden angewandte Wachsausschmelzverfahren eignet sich besonders gut für die originalgetreue Reproduktion einer Skulptur. Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn, die für ihre Widerstandsfähigkeit, Langlebigkeit und ihre Fähigkeit geschätzt wird, feinste Details wiederzugeben.
Im ersten Schritt wird direkt von der Originalskulptur eine Silikonform angefertigt. Bei komplexen Formen kann diese aus mehreren Teilen bestehen. Anschließend wird eine Stützform aus Gips oder Harz hinzugefügt, um Verformungen zu vermeiden. Mit dieser hochwertigen Form lässt sich die streng limitierte Anzahl von Exemplaren des Werkes herstellen.
Der Ton wird entfernt und die Innenseite der Form mit heißem Wachs ausgekleidet. Die wenige Millimeter starke Wachsschicht entspricht der späteren Wandstärke der Bronze. Wachskanäle werden angebracht, damit das flüssige Metall zirkulieren und die Gase entweichen können. Anschließend wird das Ganze mit feuerfestem Gips gefüllt, der den inneren Kern bildet.
Nach dem Abkühlen wird die Wachsskulptur aus der Form genommen und sorgfältig nachbearbeitet. Die Formnähte werden korrigiert und mögliche Unebenheiten beseitigt. Neue Guss- und Entlüftungskanäle werden präzise angebracht, während kleine Metallstifte den Kern sicher an seinem Platz halten.
Anschließend wird das Ganze mit mehreren Schichten feuerfesten Materials umhüllt, um die Gussform zu bilden. Im Ofen schmilzt das Wachs und fließt beim Ausschmelzen ab, während die Form bei etwa 600°C aushärtet. Danach ist sie widerstandsfähig genug, um die flüssige Bronze aufzunehmen.
Die Entstehung einer Bronzeskulptur
Die Form wird in Sand eingebettet, um dem thermischen Druck standzuhalten, und anschließend mit flüssiger, auf etwa 1.000°C erhitzter Bronze gefüllt. Das Metall tritt an die Stelle des verschwundenen Wachses und gibt jedes Detail der Skulptur präzise wieder. Sobald die Bronze abgekühlt ist, wird die feuerfeste Form zerschlagen. Dieser Vorgang wird als Ausschlagen bezeichnet. Die nun aus Bronze bestehenden Gusskanäle werden abgesägt. Diese Form kann nur einmal verwendet werden.
Anschließend folgt das Ziselieren, ein entscheidender Schritt bei der Herstellung einer Bronzeskulptur. Überschüssiges Material wird entfernt, Poren werden geschlossen, einzelne Bereiche bei Bedarf verschweißt und anschließend wird die Oberfläche poliert. Dadurch erhält die Bronze ihren natürlichen goldenen Farbton zurück.
Der Name des Künstlers, die Editionsnummer, das Jahr und die Gießereimarke werden in den Sockel eingeschlagen und gewährleisten die Authentizität des Werkes.
Die Patina: die letzte Signatur der Bronze
Aufgrund ihres hohen Kupferanteils verändert sich Bronze im Laufe der Zeit auf natürliche Weise. Um diesen Prozess zu kontrollieren, wird die Skulptur unter Wärmeeinwirkung patiniert. Die aufgetragenen Lösungen reagieren mit dem erhitzten Metall und erzeugen eine Palette von Farbtönen, die von tiefen Brauntönen und seidenmattem Schwarz bis hin zu dezenten Grün- und Blautönen reicht. Die endgültige Farbe hängt vom verwendeten Oxidationsmittel und von der erreichten Temperatur ab.
Anschließend wird eine dünne Schicht Wachs oder Lack aufgetragen, um die Patina zu schützen und ihre Farbtöne zu bewahren. Nach einer abschließenden Politur kommt der ganze Reichtum der Oberflächen der Skulptur zur Geltung. Sie ist nun bereit, betrachtet, geschätzt und weitergegeben zu werden.


