ZEITGENÖSSISCHE BRONZE WEIBLICHER AKT
Der weibliche Akt in der Bildhauerei
Der Akt nimmt in der Geschichte der westlichen Bildhauerei einen besonderen Stellenwert ein. Im antiken Griechenland wurde der männliche Akt bereits früh dargestellt, insbesondere in Darstellungen von Athleten, Helden und Göttern. Der weibliche Akt entwickelte sich anders: Frauen und Göttinnen wurden deutlich länger bekleidet dargestellt.
Eine bedeutende Veränderung vollzog sich im 4. Jahrhundert v. Chr. mit der Aphrodite von Knidos des Praxiteles. Die ursprüngliche Skulptur ist heute verloren, jedoch durch zahlreiche antike Wiederholungen bekannt. Sie gilt als die erste bedeutende griechische Darstellung einer vollständig unbekleideten Göttin und übte großen Einfluss auf die hellenistische und später die römische Kunst aus.
Der weibliche Akt entwickelte sich so allmählich zu einem der bedeutendsten Themen der Bildhauerei.
Vom Idealbild zum lebenden Modell
Nachdem der Akt in der mittelalterlichen Kunst deutlich weniger präsent gewesen war, gewann er in der Renaissance mit der Wiederentdeckung der griechisch-römischen Kunst erneut an Bedeutung. Künstler orientierten sich wieder an antiken Vorbildern und deren idealisierten Proportionen.
Dieser Ansatz fand später auch Eingang in die künstlerische Ausbildung. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte das Studium des Aktes, zunächst anhand antiker Skulpturen und später am lebenden Modell, zur Ausbildung an den Kunstakademien. Dabei ging es nicht mehr nur um die Darstellung von Nacktheit: Das Arbeiten am lebenden Modell ermöglichte es den Künstlern, Proportionen und Haltungen unmittelbar zu studieren.
Diese Praxis veränderte nach und nach die Darstellung des Aktes. Künstler lösten sich allmählich von idealisierten Vorbildern und begannen, sich an realen Menschen und deren natürlichen Haltungen zu orientieren.
Der weibliche Akt heute
Heute ist der weibliche Akt weiterhin ein Thema, dem sich Bildhauer frei widmen können, ohne sich dabei zwangsläufig an klassischen Idealen oder mythologischen Motiven zu orientieren.
Der Akt weist zudem eine Besonderheit auf: Durch das Fehlen von Kleidung verschwinden viele Merkmale, anhand derer sich eine Darstellung unmittelbar einer bestimmten Epoche zuordnen ließe. Eine Frisur oder Haltung kann gewisse Hinweise geben, jedoch weit weniger als die Kleidung.
Der Akt im Schaffen von Alain Choisnet
Das Weibliche steht im Mittelpunkt des Schaffens von Alain Choisnet, und der Akt nimmt darin ganz selbstverständlich einen wichtigen Platz ein.
Seine Skulpturen zeigen vor allem ruhige Haltungen, in denen sich Sanftheit und Gelassenheit mit Eleganz und Raffinesse verbinden.
Einige sind vollständig unbekleidet, andere verbinden den Akt mit Drapierungen. Diese dienen nicht unbedingt dazu, etwas zu verhüllen, sondern werden Teil der Skulptur und eröffnen eine andere Möglichkeit, sich demselben Thema zu nähern.


